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Architektur für Schweine

Stall.Schlachthaus.Fleischerei

Vorschau: 00_Aufmacher_Perspektive_Picto_nur-untere-Ha-lfte-ohne-Piktogramm

1. Preis: Schweinevilla von Katharina Münch (TU Darmstadt)

Vorschau: 03_Erster-Preis_Lageplan_-C-Katharina-Mu-nch

1. Preis: Schweinevilla von Katharina Münch (TU Darmstadt), Lageplan

Vorschau: 04_Zweiter-Preis_Modellfoto-Innenraum_-C-Jakob-Ko-ppel-Benedikt-Stoib

2. Preis: Co-op Gittrup + Pig Portable von Jakob Köppel und Benedikt Stoib (TU München), Modellfoto Stall

Vorschau: 07_Dritter-Preis_Modellfoto_-C-Jessica-Vetter-Pepe-Fritz

3. Preis: transparent arbeiten. leben. konsumieren. wertschätzen von Jessica Vetter und Pepe Fritz (Universität Stuttgart), Modellfoto

Vorschau: 08b_Anerkennung_ALTERNATIVE_Verarbeitungshaus_-C-Matthias-Delueg-Christoph-Ammer

Anerkennung: Hof des Wandels – freischwein schweinfrei von Matthias Delueg und Christopher Ammer (TU München), Verarbeitungshaus

Vorschau: 09a_Anerkennung_Schlachthof-Innenraumperspektive_-C-Sophia-Richwien-Verena-Klotzner

Anerkennung: Schweinestadl von Sophia Richwien und Verena Klotzner (TU München), Schlachthof

Ein wachsender Anteil der Gesellschaft lehnt die landwirtschaftliche Produktion in ihrer gegenwärtigen Ausprägung ab. Insbesondere über die Haltungs- und Schlachtbedingungen von Nutztieren wird eine kontroverse Debatte geführt. Dabei spielen Aspekte der Ökonomie und der Ökologie, des Tier- und des Umweltschutzes, der Ethik und eines bewusste(re)n Fleischkonsums eine wichtige Rolle. Konflikte zwischen diesen Aspekten müssen im öffentlichen Diskurs ausgehandelt werden.

Das Aedes Architekturforum setzt zum Auftakt seines 40. Jubiläumsjahres 2020 eine Reihe zur Rolle der Architektur bei der Entwicklung des ländlichen Raumes fort. Es präsentiert Architekturentwürfe für einen modernen landwirtschaftlichen Betrieb mit Schweinehaltung, der den gestiegenen gesellschaftlichen Ansprüchen genügt. Die Auslober eines studentischen Ideenwettbewerbs (KTBL und Stiftung LV Münster) haben bereits 2016 damit begonnen, nach neuen Perspektiven für das landwirtschaftliche Bauen, die Nutztierhaltung und die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Landwirtschaft zu suchen.
 
Ideenwettbewerb
Die Aufgabe für Architekturstudierende an vier Hochschulen (TU Braunschweig, TU Darmstadt, TU München und Universität Stuttgart) umfasste den Entwurf für einen Stall für 500 Mastschweine in artgerechter Haltung und darüber hinaus ein Schlachthaus und einen Hofladen für die Direktvermarktung. Das Planungsgrundstück grenzt an den historischen Bestand eines typischen Münsterländer Hofes in Dorfrandlage. Bewertet wurden die architektonische und landschaftsplanerische Qualität, die Tiergerechtigkeit, die ökologische und ökonomische Qualität, Nachhaltigkeitsaspekte und das Kreativ- und Innovationsniveau.

Hintergrund
Schon Hugo Häring (1924) und Walter Gropius (1967) hatten sich mit dem Thema „Architektur für Schweine“ beschäftigt – letzterer hatte aufgrund einer verlorenen Wette mit dem Porzellan-Produzenten Philip Rosenthal für dessen Hausschwein den „Palazzo RoRo“ entworfen, der aber ebenso unrealisiert blieb wie Härings Schweinestall für Gut Garkau. Seinerzeit war das Tierwohl im Stall noch kein Thema für Politik, Gesellschaft und Planer, heute hört es nicht einmal an der Stalltür auf. Die Fleischproduktion und der Konsum von tierischen Produkten bedingen die Auseinandersetzung mit der Haltung, aber auch mit der Tötung von Tieren.

Für die deutsche Landwirtschaft hat die Erzeugung von Schweinefleisch eine besondere Bedeutung: Derzeit werden in Deutschland etwa 12 Millionen Mastschweine mit mehr als 50 kg Gewicht in rund 19.000 Betrieben gehalten. Jeder Bundesbürger verzehrt im Schnitt 35,9 Kilogramm Schweinefleisch pro Jahr. Fast ein Viertel der EU-28 Schweinefleischproduktion wird von Deutschland erbracht. Für die Haltung von Mastschweinen werden zunehmend Haltungsformen mit höheren Tierwohlstandards diskutiert und entwickelt. Dabei haben die Tiere z. B. mehr Platz und Zugang zu unterschiedlichen Klimazonen. Gleichzeitig entstehen neue Zielkonflikte, denn bei der Haltung mit Ausläufen sind höhere Emissionen durch die größeren Flächen und die freie Lüftung der Ställe zu erwarten.

Lange Zeit waren Schlachtungen vor Ort auch in (kleineren) handwerklichen Fleischereien üblich, doch ab Mitte des 19. Jahrhunderts zentralisierten viele deutsche Städte das Schlachthauswesen und heute werden die meisten Tiere in wenigen spezialisierten Großanlagen geschlachtet und zerlegt. Damit ging zwar eine enorme Verbesserung der hygienischen Verhältnisse einher. Die Konzentration der Betriebe führte jedoch zu langen Transportwegen lebender Tiere, was für sie großen Stress bedeutet, und zu einer wachsenden Distanzierung der Verbraucher zum Schlacht- und Verarbeitungsprozess. Die Menschen verloren zunehmend den Bezug zu den Nutztieren und das Bewusstsein darüber, was sie essen und wo das Fleisch überhaupt herkommt.

Wenngleich deren Zahl beständig weiter sinkt, gibt es deutschlandweit noch viele landwirtschaftliche Familienbetriebe mit Schweinehaltung und handwerkliche Schlachtbetriebe. Diese zu bewahren und verstärkt ins öffentliche Bewusstsein zurückzuholen, könnte ein wichtiges Element bei dem Bemühen sein, durch regionale Strukturen und Wertschöpfungsketten zur Entwicklung ländlicher Räume beizutragen und gleichzeitig die Wege für Tiertransporte zu reduzieren.

Ausstellung
Das Aedes Architekturforum gibt Einblicke in die Typologie von Ställen und Schlachthäusern, setzt sich mit dem Verhältnis von Mensch und Nutztier auseinander und präsentiert Ideen für Bauernhöfe mit Schweinehaltung und -verarbeitung sowie Direktverkauf anhand von Zeichnungen und Modellen der prämiierten Entwürfe des Ideenwettbewerbs.

Ausstellungseröffnung am 17. Januar 2020, 18.30 Uhr
Ausstellung: 18. Januar – 5. März 2020



Öffnungszeiten: Sa, 18. Januar 2020, 13–17 Uhr
Di–Fr 11–18.30 Uhr und So–Mo 13–17 Uhr

Ort: Aedes Architekturforum, Christinenstr. 18–19, 10119 Berlin 

www.aedes-arc.de

Hinweis: Parallel zu dieser Ausstellung eröffnet auch die Ausstellung „Our Urban Living Room“ des dänischen Büros Cobe, die bis zum 29. April gezeigt wird.