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Transformation der Kolosse

Wie Bunker bewahrt und doch neu genutzt werden können

Berlin und Beton – das gehört zusammen wie der Berliner Kiez und die Subkultur. Nicht nur, weil... mehr
Berlin und Beton – das gehört zusammen wie der Berliner Kiez und die Subkultur. Nicht nur, weil die Stadt durch eine gewaltige Betonmauer einmal zweigeteilt wurde, sondern weil daraus auch – sieht man mal von den vielen brutalistischen Autobahntrassen ab – auch all die Relikte gemacht sind, die der Krieg vom Dritten Reich übrig gelassen hat. Viele sind es nicht mehr: Von den 423 Bunkern, die als Zivilschutzanlagen zum Schutz einer Bevölkerungsminderheit gebaut wurden, sind nur noch einige Dutzend übrig geblieben – wo sie stehen geblieben sind, prägen sie aber das Straßenbild bis heute sehr deutlich. Dass sie dabei nicht erst versauern müssen, sondern durchaus auch aufwendig, aber nachhaltig wachgeküsst und reaktiviert werden können, haben in den letzten Jahren eine Reihe von Transformationsprojekten bewiesen, in ganz unterschiedlichen Winkeln der Stadt.

Ein Beispiel, das das Potenzial der Bunker vorgeführt hat, ist definitiv der „Kunstbunker“ von Christian Boros. 2003 erwarb der Kreativunternehmer den ehemaligen Reichsbahnbunker unweit des Bahnhofs Friedrichstraße. Der markante freistehende Hochbunker, der zu DDR-Zeiten „Vorweihnachtsbunker“ hieß, weil hier die rationierten kubanischen Bananenvorräte eingelagert wurden, war in der Postwendezeit zum wichtigen Angelpunkt der Subkultur geworden: Auf vier Etagen fanden hier Hardtechno-, House- und Snax-Parties im Darkroom statt, bis aus Sicherheitsgründen – die Belüftungssysteme waren da längst schon nicht mehr intakt – dem Spektakel 1996 ein endgültiges Ende bereitet wurde. Das Berliner Shooting-Büro Realarchitektur packte daraufhin den aufwändigen Umbau an: 1.800 Tonnen Schutt wurden aus dem massive Koloss entfernt, um aus den gleichförmigen 120 Kammern etwa 80 individuelle Ausstellungsräume maßzuschneidern – unter Beibehaltung der Substanz und von Zeitspuren: Einer der spannungsvollsten, raumentgrenzenden Hängungen ist gewiss Thomas Struths „Sterne-Zyklus“, der in einem über zwei Etagen geführten Raum präsentiert wird, an dem noch sichtbar die Dark-room-Spuren der Vergangenheit kleben. Auf den Bunker der Boros Collection, die mittlerweile an ihrer dritten Dauerpräsentation arbeitet, antwortet seit diesem Sommer ein alter, fast unmerklich umgebauter Fernmeldebunker am Halleschen Ufer: Wieder Reallabor haben hier unter Aufsicht des englischen Minimalisten John Pawson einen meditativen Hort für die erlesene Asiatika-Sammlung des Stuttgarter Sammlers Désiré Feuerle geschaffen – samt einem aufgesattelten Penthouse, wie man es auch schon bei dem Boros-Bunker getan hat. Im Kreuzberger Fichtebunker – einem alten Gasometer, das 1940 von Zwangsarbeitern zur Luftschutzanlage für über 6.000 Menschen umgebaut wurde, hat das Wohnen auf dem Bunker noch andere Dimensionen angenommen: Während der denkmalgeschützte Rundbau selbst unangetastet blieb, haben Ingenbleek Architekten auf dem überkuppelten Dach 2010 das CircleHouse mit Loftwohnungen geschaffen, die über einen abgerückten Aufzugsturm erschlossen werden. Hinter den Betonwänden des Bunkers üben weiterhin Bands und der Verein „Berliner Unterwelten“ unterhält Ausstellungsräume.

www.thefeuerlecollection.org
www.sammlung-boros.de