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Relaunch der DDR-Moderne

Im Friedrichstadt-Palast entstand hoch über den Rängen eine einzigartige Lounge

„Mehr Luxus beim Theaterbesuch geht nicht“ – mit diesem Slogan wirbt der Friedrichstadt-Palast... mehr

„Mehr Luxus beim Theaterbesuch geht nicht“ – mit diesem Slogan wirbt der Friedrichstadt-Palast für seine Attraktion, die Wall Sky Lounge. Benannt ist die Loge hoch über den Zuschauerrängen des Revuetheaters nach der Wall AG, einem Partner des Friedrichstadt-Palasts. Hier können sechs Personen einen besonderen Abend mit bestem Blick auf die riesige Showbühne genießen. Der Friedrichstadt-Palast war 1984 unweit des Bahnhofs Friedrichstraße eröffnet worden.

Gestaltet hat die Sky Lounge die Innenarchitektin Wencke Katharina Schoger vom Berliner Büro Reuter Schoger Architekten Innenarchitekten. Die Chance für die Loge bot sich, weil Technik-Arbeitsplätze verlagert wurden und so einer der Räume frei wurde, die den Saal hinter den Zuschauerreihen säumen.

Die Vergangenheit als Technikraum ist auch nach der Umgestaltung zur Lounge unübersehbar, nicht zuletzt durch die raumhohen Schaltmodule, die weiterhin in Betrieb sind. Erhalten geblieben sind auch die dicken Kabelstränge, die wie Bäche durch gläsern abgedeckte Aussparungen im Estrich fließen. Sichtbar beließen Reuter Schoger zudem das originale Mauerwerk, alte Deckenversprünge und Lüftungsleitungen. Um eine gute Akustik zu gewährleisten, belegten sie die Wände mit schallschluckenden Flächen und grauem Industriefilz. In reizvollem Kontrast zur industriellen Anmutung steht die luxuriöse Ausstattung, die sich an den originalen Farben der Saalausstattung (orange und dunkelbraun) orientiert.

Sechs paarförmig angeordnete Sessel erlauben es den Besuchern, durch die raumhohen Öffnungen mit verglasten Brüstungen die Show auf der Bühne zu bestaunen. In der Pause werden die Logengäste an einer parabelförmigen Bar versorgt. Und Raucher müssen ihrem Laster nicht etwa draußen in der Kälte frönen, sondern ziehen sich in einen benachbarten früheren Umkleideraum zurück. Die dortigen rauen Wände erhielten rundum einen goldenen Anstrich. Die Gestaltungsaufgabe von Reuter Schoger Architekten Innenarchitekten beschränkte sich indes nicht auf die Loge. Auch das Foyer unterzogen sie einer behutsamen Umgestaltung. Dabei bestand die Aufgabe für Wencke Schoger darin, „das Foyer wieder weitestgehend an den originalen Raumeindruck anzunähern, neu erforderliche Ausstattungen einfühlsam zu integrieren und die Aufmerksamkeit auf besondere Originaldetails zu lenken", erklärt die Architektin.

Das war keine kleine Herausforderung, haben doch mehrere Umgestaltungen das ursprüngliche Gestaltungskonzept des 1984 in postmodernem Stil eröffneten Friedrichstadt-Palasts verfremdet, viele Details sind im Lauf der Jahrzehnte verloren gegangen. Den originalen Kronleuchter zum Beispiel – er war aus Glasröhren gefertigt, die eigentlich für Milchleitungen produziert wurden – konnten die Architekten rekonstruieren. Neu verlegt wurde ein Teppich, der dem Farbton des Betonwerksteinbodens angeglichen wurde. Durch diese zurückhaltende Farbwahl wird die Aufmerksamkeit der Theatergäste auf die beeindruckenden Fenster aus bunten Glassteinen gelenkt, für die allein der Besuch des Friedrichstadt-Palastes schon lohnt.

Unser Gestaltungskonzept entwickelt seine räumliche Eigenständigkeit aus einer unangestrengten, wie beiläufig wirkenden Mischung aus naturbelassenem Bestand, modifiziertem Original und neuen Elementen“, erklärt Wencke Schoger. Dabei ließ sie sich von den Eigenarten der späten DDR-Architektur des Friedrichstadt-Palastes leiten.

Bis heute gehört das Haus mit knapp 1.900 Plätzen und jährlich etwa 700.000 Besuchern zu den weltweit größten Revuetheatern. „Es geht nicht darum, ob uns Konzeptionen aus früheren Jahrzehnten persönlich gefallen“, sagt die Innenarchitektin, „sondern um den Respekt vor einem zeittypischem Ausdruck, gesellschaftspolitischen Prägungen von Räumen sowie Hinweisen auf ein früheres Lebensgefühl.“ Das gelte auch dann, wenn eine Bauepoche noch keine große öffentliche Wertschätzung genieße. Dass sich die Planer dieser Aufgabe auf überzeugende Weise gestellt haben, belegt die Nominierung des Projekts zum German Design Award 2014.

www.reuterschoger.de

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Reuter Schoger Architekten Innenarchitekten BDIA
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Fotos

Werner Huthmacher 
www.wernerhuthmacher.de