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Konzept schlägt Kommerz

Frizz23: Pionierprojekt für das Kreativgewerbe

Konzept schlägt Kommerz – das war der Grundgedanke des Projektes Frizz23, dem ersten Neubau für... mehr

Konzept schlägt Kommerz – das war der Grundgedanke des Projektes Frizz23, dem ersten Neubau für eine gewerbliche Baugruppe. Abgeschaut bei den zahlreichen Wohnungsbaugruppen, bei denen sich viele kleine Bauherren zusammentun, um ein großes gemeinsames Wohngebäude zu realisieren – nur bei Frizz23 eben auf dem gewerblichen Sektor. Das hierfür von der Stadt zur Verfügung gestellte Grundstück befindet sich gegenüber dem Jüdischen Museum und neben der einstigen Blumengroßmarkthalle in Mitte. Erstmals wurde ein Grundstück nicht nach Höchstpreis, sondern nach der Qualität des Konzepts vergeben: Das Berliner Büro Deadline Architekten erhielt den Zuschlag, weil deren Vorschlag, ein Nutzungskonzept ausschließlich für kleinteiliges Gewerbe im Bereich Kunst, Kreativwirtschaft und Bildung, überzeugen konnte. Kleingewerbetreibende haben oft mit der Verdrängung aus dem Zentrum zu kämpfen, dabei ist gerade die gesunde Mischung von Arbeitsplätzen und Wohnen für den urbanen Raum so wichtig. Alle Interessenten, potenziellen Nutzer und selbst die Nachbarschaft wurden in die Planungs- und Entscheidungsprozesse mit einbezogen. „Die Planung mit der Baugruppe verlief relativ zügig“, so Britta Jürgens von Deadline, „besonders wenn man sich das entstandene, architektonisch extrem komplexe Ergebnis ansieht.“ Frizz23 ist ein freistehender Monolith zwischen dem neuen Taz-Gebäude im Westen, dem östlich gelegenen Stadtplatz und der angrenzenden Jüdischen Akademie sowie dem Besselpark im Norden. Seine unterschiedlichen Höhen bilden die Topografie einer Großstadt ab, niedrige und höhere Häuser reihen sich aneinander. Die Hülle ist durch wechselnde Bänder aus karbonisiertem Lärchenholz und Metall zusammengebunden. Das Erdgeschoss ist öffentlichen Räumen vorbehalten, hier gibt es einige Läden und ein Café. Die künftigen Nutzer hatten die Möglichkeit, ihren Raumbedarf genau zu beziffern, sie konnten die Lage der Fenster mitbestimmen und sogar, wo genau die Balkone sitzen sollten. Es gibt höchst unterschiedliche Einheiten von 27 bis 280 m² und sogar mehrgeschossige Maisonettes. Das Gemeinschaftsprojekt war auf der Shortlist des DAM-Preises als eines der 28 besten Gebäude Deutschlands und es war ebenfalls nominiert für den Europäischen Mies van der Rohe Award.

Die Ideengeber von Deadline sehen ihr Ideal von Offenheit und Nutzungsdichte im Gebäude zwar nicht zu 100 Prozent erfüllt, aber angesichts der Pionierhaftigkeit und Komplexität des Entwicklungsprozesses war das auch nicht zu erwarten. Frizz23 ist vielmehr ein erster Schritt zu einem selbstbestimmten Gewerbe-(Neu-)Baustein, und – wie das große Interesse zeigt – ermutigt es, ähnliche Projekte in der Stadt zu realisieren. Anerkennung verdient das Projekt allemal, da es erstmalig ein Baugruppenverfahren für einen Gewerbeneubau darstellt und dies in einem Gemeinschaftsprozess von Bauherren, Nachbarn, Bezirks- und Senatsvertretern sowie unabhängigen Experten realisiert wurde.

www.deadline.de


Fotos:

Matthew Griffin

(Erschienen in CUBE Berlin 01|21)