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Heute schon wie morgen wohnen

Die Villa M in Grunewald verbindet mit innovativer Technik Innen- und Außenraum

Fußballfans kennen die Brahmsstraße in der Villenkolonie Grunewald, weil hier während der... mehr
Fußballfans kennen die Brahmsstraße in der Villenkolonie Grunewald, weil hier während der Fußball-WM 2006 die deutsche Nationalmannschaft im Schlosshotel logierte. Für Architekturenthusiasten hat die Brahmsstraße jetzt einen weiteren Anziehungspunkt zu bieten: die von HSH Architekten BDA erbaute Villa M – eine Villa, die ungewöhnliche Architektur mit innovativster technischer Ausstattung verbindet. Heute schon wie morgen Wohnen, könnte das Motto des Projektes sein.

Ausgangspunkt für das Team von Markus Hirschmüller, Florian Hoyer und Harald Schindele war das Grundstück, dessen Garten nach Norden weist. Hätten die Planer die vom Bebauungsplan zugelassene Kubatur voll ausgenutzt, wäre der Garten bis in die frühen Abendstunden verschattet worden. Um dies zu verhindern, verkleinerten die Architekten den Baukörper und formten das Dach so, dass möglichst viel Sonne den Garten erreicht. Damit auch die Innenräume von Tageslicht durchflutet werden, schnitten sie zudem ein überdachtes Atrium in das Gebäude ein. Bei der Fassade entschieden sich die Planer für Materialien, die die umgebende Natur interpretieren und so das Haus in sein Umfeld einbinden. Etwa die eigens für das Projekt entwickelte Wandfliese aus Feinsteinzeug: Ihre Struktur ist inspiriert von der Oberfläche der Kiefernzapfen im nahen Grunewald - einer flachen Pyramide mit verschobenem Mittelpunkt gliedert die Fliesen. Weil man diese auf der Fassade in vier verschiedene Richtungen verlegte, erzielten die Architekten mit nur einem Fliesentyp eine lebhafte Oberfläche; je nach Sonnenstand zeigen sich immer neue grafische Kompositionen.

Ungewöhnlich ist das Material für das gefaltete Betondach: Es ist mit grünem Tartan überzogen. Diese unkonventionelle Lösung erlaubte es, das Dach fugenlos zu verkleiden. Abgerundet wird der Materialmix durch unterschiedlich beschichtetes Glas. Beispielsweise verkleideten die Architekten die Betonwände im Erdgeschoss mit Kaltfassadenpaneelen, deren Scheibenrückseite durch ein Siebdruckverfahren mit grau-grüner Farbe beschichtet wurde. Im Ergebnis spiegelt sich nun das Grün der Natur auf der Fassade. Diese enge Verzahnung von Innen- und Außenraum zieht sich wie ein roter Faden durch das architektonische Konzept. Im Sommer lässt sich das Atrium mit dem Schwimmbad verbinden, indem Glaswände verschoben werden; das Schwimmbad wird also gleichsam Bestandteil des Wohnzimmers. Die Terrasse im ersten Obergeschoss ist durch das auskragende Geschoss darüber vor Regen geschützt – ein stimmungsvoller Aufenthaltsort bei Sommerregen. Den zwei durch das Atrium miteinander verbundenen Stockwerken wiesen die Architekten unterschiedliche Funktionen zu: Im Erdgeschoss befinden sich Küche und Wohnbereich als quasi öffentliche Räume. Im halböffentlichen ersten Obergeschoss sind Musizierbereich, Arbeitszimmer, Bibliothek und Heimkino untergebracht. Dagegen ist die zweite Etage mit den Schlafräumen als Privatzone separiert. Spektakulär ist das Schlafzimmer der Eltern, das sich durchgängig verglast dem Garten zuwendet. Auch für die beiden Kinder ließen sich die Planer etwas einfallen: Ihre Zimmer sind nicht nur durch den Flur, sondern auch durch eine Brücke miteinander verbunden. Wenn der Nachwuchs eines Tages diese Direktverbindung zwischen den Zimmern nicht mehr cool findet, lässt sie sich problemlos wieder ausbauen.

Nicht weniger zukunftsweisend ist das Technikkonzept, das konsequent auf Systemvernetzung setzt. Heizung, Licht, Soundsystem und Vorhänge werden über Touch Screens gesteuert. Um die Bauherrn nicht mit einem Wirrwarr an Schaltpanels zu konfrontieren, ließen die Planer eine App entwickeln, die die die unterschiedlichen Standards der Anbieter in einem Bedientool bündelt. Integriert in das Technikkonzept ist die Energieversorgung, die mit Geothermie, Bauteilaktivierung und kontrollierter Lüftung mit Wärmerückgewinnung arbeitet. Die durchdachte Gestaltung des Baukörpers, innovativen Materialverwendungen und ihr ausgeklügeltes Technikkonzept machen die „Villa M“ zu einem Modell künftiges Wohnens. Der experimentierfreudige Bauherr war nach Meinung von Harald Schindele Voraussetzung für die Umsetzung der vielen prototypischen Elemente – auch schwierige Phasen habe er mit Enthusiasmus begleitet. Von den Anstrengungen der Bauzeit erholen kann sich der Familienvater im Keller. Dort hat der Hausherr seine Oldtimer-Sammlung untergebracht.


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Carsten Krohn