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Große Nester, kleine Nester

Energetische Sanierung und Umbau einer Kindertagesstätte

Um dem Bedarf an Neubauten bei äußerst begrenzten Baukapazitäten begegnen zu können, ging die DDR... mehr
Um dem Bedarf an Neubauten bei äußerst begrenzten Baukapazitäten begegnen zu können, ging die DDR ab Mitte der sechziger Jahre dazu über, nicht nur für den Wohnungsbau, sondern auch für Schulgebäude und Kindertagesstätten Typenbauprogramme zu entwickeln. Nach der Wiedervereinigung wurde es für Architekten in Berlin und den neuen Ländern zur zunehmend geschätzten Herausforderung, architektonisch zwischen dem herb-nüchtern Duktus der „Plattenbaukitas“ und zeitgenössischen Motiven und Ansprüchen zu vermitteln.

Die Lichtenberger Kindertagesstätte "Nido Piccolo“, italienisch für kleines Nest, die Susanne Hofmann und die Baupiloten sanierten, war 1983 mit Modulen des legendären Wohnungsbausystems 70 (WBS 70) errichtet worden. Eine Sanierung des verschlissenen Gebäudes mit seinen rund 2.000 m² Nutzfläche und sehr hohen Betriebskosten war dringend geboten.

Das Haus brauchte mit seinen zugigen und dünnen Außenwänden dringend eine neue Dämmung. Das zu diesem Zweck aufgelegte Konjunkturpaket II nicht nur zur Wärmedämmung zu verwenden, sondern auf diesem Wege zugleich mehr Nestwärme herzustellen, machten Susanne Hofmann Architekten und die Baupiloten zu einem Anliegen ihres Projektes. Bei einem im Vorfeld durchgeführten Partizipationsworkshop hatten sich die Kinder der Kita Nido Piccolo Baumhäuser gewünscht, was mit der notwendigen Fassadensanierung eigentlich nur schwer zusammenzubringen war. Durch sparsames Haushalten mit dem Baubudget und einem geschickten Entwurf haben die Kinder in ihren Gruppenräumen nun Erker erhalten, die wie kleine Nester vor der jetzt gedämmten Fassade hängen. Hier spielen sie in der Nähe der Baumkronen – quasi auf Augenhöhe mit Mauerseglern, Spatzen und Fledermäusen, die ebenfalls bunte Nester an der neuen Fassade bekommen haben – denn ihre früheren Nistplätze, die die Vögel in den porösen Fugen des Plattenbaus fanden, mussten sie im Zuge der Fassadensanierung preisgeben.

Die in unterschiedlichen, kräftigen Farben gestalteten Erker nutzen die Kinder mit ihren vorgelagerten Treppenabsätzen und Vorhängen für Ausblicke in die Umgebung, als erweiterte Tobezone oder als Rückzugsort. Außerdem konnten die Treppenhäuser neu gestrichen und in den Vorzonen der Gruppenräume kleine Aussichtsplätze eingerichtet werden. Auch die gedämmte Außenfassade hat eine spezifische Gestaltung erfahren: Während das Wärmedämmverbundsystem zu den drei dem Stadtraum zugewandten Fassaden eine raue Oberfläche hat, ist sie an der Gartenseite glatt gehalten.

Die bunten Nester für die Vögel sowie die Kinder setzen hier Akzente, womit das Gebäude einen bergenden, einladenden Charakter gewinnt. Die Farbgebung ist zudem so angelegt, dass die Spitzen des rauen Putzes einen anderen Farbton annehmen als die tieferen Stellen. Damit changiert die Farbe der Fassade beim Vorübergehen reizvoll. So verbindet sich die notwendige energetische Sanierung mit einer entscheidenden gestalterischen Aufwertung.

www.baupiloten.com


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Jan Bitter
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