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Architektur der kleinen Räume

Die Stadt wächst – die Wohnungen schrumpfen

Leben wir in Zukunft nur noch allein? Die Entwicklungskurve der Ein-Personen-Haushalte in... mehr

Leben wir in Zukunft nur noch allein? Die Entwicklungskurve der Ein-Personen-Haushalte in Deutschland zeigt steil nach oben. Mit den massiv gestiegenen Baupreisen und Mieten gibt es eine Art Rückbesinnung auf kleine, günstigere und bewusst sinnvoll geplante Wohnungen. Laut einer Prognose des Statistischen Bundesamtes werden bis 2030 fast 43 Prozent aller deutschen Haushalte von nur einer Person bewohnt sein. Viele Wohnungen, die heute gebaut werden, entsprechen oft nicht dem Bedarf. Die klassische Wohnungskultur für die kaum mehr existente traditionelle Familie sollte aufgebrochen, die Größenverhältnisse innerhalb der Wohnung verschoben werden. Was keinen Platz hat, etwa Kochen für viele Gäste, kann in gemeinschaftliche Räume ausgelagert werden. Das Angebot dieser Wohngrößen in den Städten kann jedoch die zunehmende Nachfrage in keiner Weise bedienen und die Suche erweist sich als existenzielle Herausforderung. Es ist aber nicht nur die schiere Not, es ist sogar schick geworden. Aus diesem Grund werden – nach New Yorker Vorbild – immer mehr Mikro-Apartments gebaut, dessen Größenangaben bisher keiner Definition unterliegen. Meistens sind damit Wohnungen beschrieben, die 20 bis 40 m² Wohnfläche besitzen. Europäisch standardisiert ist das allerdings nicht, in Paris reichen lediglich 9 m², um als solche zu gelten.

In die kleinen Minicuben kann jedoch so allerhand Technik versteckt werden. Sie gelten damit als Kompakt-Apartments mit sogenannter „Alles-Drin-Rate“. Dazu gehören unter anderem eine gehobene Vollmöblierung, Serviceanbindungen und natürlich digitale Einbauten wie TV, HiFi und WLAN. Und hier liegt aus (innen-)architektonischer Sicht die Herausforderung. Wenn die Wohnfläche immer kleiner wird, dann besteht oft das Problem, dass mehr als ein Bett nicht hinein passt. Für eine optimale Raumausnutzung sind intelligente Lösungen mit komplexen Nutzungsüberlagerungen gefragt. Deshalb müssen sich auch Möbelstücke der Raumsituation anpassen, beispielsweise mit dem Revival der Schrankbetten, stauraumoptimierten Küchen und Einbauschrank-Varianten oder mit einem Möbelstück, das den Wohnraum per Knopfdruck von einem Schlafzimmer in ein Arbeits- oder Wohnzimmer inklusive Kleiderschrank verwandeln kann. Die Notwendigkeit von Regalen für Bücher, CDs oder Videos ist durch die Digitalisierung von Medien ohnehin kaum mehr gegeben.

Aufmerksamkeit möchte der Grazer Architekturpsychologe Harald Deinsberger-Deinsweger auf einen ganz anderen Aspekt lenken: „Der Wahrnehmungsraum ist aufgrund der Wohnungsgröße beschränkt und muss im Idealfall erweitert werden können, etwa durch eine schöne Aussicht. Gibt es einzig den tristen Blick auf das Haus gegenüber, dann muss dafür in der Wohnung für Vielfalt gesorgt werden“, so der Experte. Dazu gehören etwa Farbakzente und Lichtszenarien sowie multifunktionale Möbel mit Unauffälligkeitscharakter.