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Alt trifft Jung

Die Möbelmesse imm Cologne 2016 bot neben der Rückschau auf Klassiker-Entwürfe auch viel junges Design

Mit seinem die Gastfreundschaft zelebrierenden Entwurf für „Das Haus“ auf der diesjährigen imm... mehr
Mit seinem die Gastfreundschaft zelebrierenden Entwurf für „Das Haus“ auf der diesjährigen imm Cologne hat Sebastian Herkner in vielerlei Hinsicht den Nerv der Zeit getroffen. Die Lösung, statt feste Wände, lichte Vorhänge zu verwenden, ist vielleicht nicht ganz neu. Sie zeigt aber, dass das Hauptbedürfnis beim Wohnen heute mehr nach Flexibilität und Offenheit ist. Der in Offenbach lebende Herkner arbeitet mit echten Materialen wie Wolle, Glas, Leder oder Porzellan und setzt sich intensiv mit alten Handwerkstechniken auseinander. Seine Produkte setzen einen Gegenpol zur immer stärkeren Digitalisierung des Alltags und dem damit verbundenen Verlust des Materiellen. Die Hersteller reißen sich derzeit um eine Zusammenarbeit mit dem jungen Designer. In Köln durften die Besucher deshalb eine Vielzahl von Herkner-Neuheiten bestaunen, darunter ein Bett für Schramm Werkstätten, ein Daybett sowie eine neue Leuchte für Pulpo, Accessoirs und Textilien für Ames, zwei neue Garderoben für Schönbuch.

Die junge Generation war in diesem Jahr in Köln noch präsenter als sonst. Neben Herkner ist Steffen Kehrle ein weiterer Protagonist dieser Szene. Der Münchener arbeitet als Kreativdirektor des Berliner Labels Sitzfeld und zeigte in Köln im Showroom des Unternehmens zwei neue Sofas. Bei Richard Lampert präsentierte Kehrle die Garderobe „Bazar“ sowie die nun serienreife Version seines vor zwei Jahren in Mailand präsentierten Hockers „Mono“. Die jungen Designer gründen zunehmend eigene Labels. Berlin ist dabei das Zentrum für neue Design Start-ups, die von der Produktion bis zum Vertrieb alles selber machen. Das erst im Oktober des letzten Jahres gegründete Label „Objekte unserer Tage“, mit Sitz in Prenzlauer Berg, zeigte in Köln ein komplettes Sortiment vom Sofa bis hin zu Accessoires. „New Tendency“ wagte sich an die Königsdiziplin des Designs. Mit dem „Throne“ präsentierten die Hauptstädter erstmalig einen Stuhl, in sehr maskuliner Anmutung aus schwarzem Stahl.

In Italien kommt derzeit wieder Bewegung in den Markt. Als Antwort auf die Krise der letzten Jahre suchen die Firmen den Zusammenschluss. Der Küchen- und Bad-Spezialist Boffi verkündet die Fusion mit De Padova. La Cividiana und Crassevigg teilten sich einen Stand und demonstrierten so ebenfalls den Schulterschluss. Driade, unter dem neuen Kreativdirektor David Chipperfield, ist seit 2014 Teil einer Holding, der auch der Küchenhersteller Valcucine angehört. Auf der imm Cologne zeigte Driade als Neuheit einen kleinen Schreibtisch mit viel Zubehör, der in Kooperation mit der Kultmarke für Schreibutensilien „Moleskin“ entstanden ist.

Cassina tritt mit Patricia Urquiola als neue Kreativdirektorin an. In Köln stellte die Spanierin erstmals das Projekt „5MutAzioni“ (Mutationen) vor. Cassina veröffentlicht zum 90-jährigen Firmenjubiläum neue Versionen von für das Unternehmen wichtigen Design­ikonen. Ausgestellt war unter anderem eine neue Variante des berühmten Schwarz-Rot-Blau Stuhls von Gerrit T. Rietveld. Die Ausführung in grünen und schwarzen Farben sowie mit Polsterauflage in Leder hatte Rietveld 1920 für den Lehrer Wicher Zeilmaker hergestellt. Urquiola gestaltete den gesamten Messestand von Cassina mit Original-Elementen des temporär, im Jahr 1995 im Park Sonsbek im holländischen Arnheim errichteten Rietveld Pavillions. Walter Knoll feiert in diesem Jahr 150 Jahre Firmengeschichte und zeigte ebenfalls Entwürfe aus dem Archiv. Bei der Neuauflage des 1956 von Arno Votteler entworfenem Lounge Chair „Votteler“ verwendet der Hersteller die neue Stoffvariante „Anni“. Der Bezug ist eine Hommage an Anni Albers. Die prägende Textilkünstlerin der Moderne unterrichtete als eine der wenigen Frauen am Bauhaus. Im zeitgenössischen Segment setzt Knoll die Zusammenarbeit mit dem britischen Architekten Norman Foster fort und stellte den komplett mit Leder bezogenen Stuhl „Forster 525“ vor. Ligne Roset begibt sich bei der Rückschau sogar in die allerjüngste Vergangenheit. Das in Köln gezeigte Sofaprogramm „Plumy“ von Annie Hiéronimus stammt aus den achtziger Jahren. Mit dem auf der Messe perfekt inszeniertem Polstermöbelprogramm „Manarola“ von Philippe Nigro zeigten die Franzosen aber auch, dass das zeitgenössische Design den Vergleich mit der Vergangenheit nicht zu scheuen braucht.