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Alt-neues drittes Leben

Die Transformation des Amerikahauses in die Jetztzeit

Der Berliner Westen, das alte Charlottenburg, erlebt derzeit sein drittes Comeback: Das erste... mehr
Der Berliner Westen, das alte Charlottenburg, erlebt derzeit sein drittes Comeback: Das erste begann 1882 mit dem Bau des Bahnhofs Zoo und der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche 1895, und damit einhergehend dem rapiden Wachstum des „Neuen Westens“ der Stadt. Das zweite fand in Folge des Mauerbaus und der Teilung Berlins statt – damit war die Gegend um die Gedächtniskirche zum westlichen Zentrum geworden. Die dritte Renaissance erleben der Kudamm und seine Anreiner just in diesem Moment, seit der Hype um den Osten und die wiedergewonnene Mitte etwas nachgelassen hat. Nach einigen Jahren, in denen das ehemalige Zentrum des Westens regelrecht heruntergekommen wirkte, beginnt nun das Leben hier wieder einzuziehen: Der Zoopalast ist wiedereröffnet, das Zoofenster überragt alle anderen Westbauten, das Bikinihaus wurde sorgfältig renoviert, und nun erstrahlt auch das Amerikahaus nach einigen Jahren des Dornröschenschlafes wieder in neuem Glanz.

Es ist ein geschichtsträchtiges Haus. Es wurde 1957 nach Plänen von Bruno Grimek als eines von 27 Amerikahäusern in Westdeutschland eröffnet, als Zeichen der „freien Welt“ und Manifestation der Siegermacht Amerika an exponierter Stelle in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Zoo. Als die Amerika-Verherrlichung 1968 während der Proteste gegen den Vietnamkrieg deutlich nachließ, wurde dieses Haus zum umtosten Schauplatz etlicher Demonstrationen. Plexiglasfenster wurden eingebaut, um sich vor den Pflastersteinen der Demonstranten zu schützen. Seit 9/11 hatten die USA dann andere Sorgen, und das Haus versank in Bedeutungslosigkeit – bis zu seiner fulminanten Wiedereröffnung im Oktober 2014 und dem Einzug der Fotogalerie c/o in das total sanierte Haus.

In den Jahrzehnten davor hatte das Amerikahaus etliche Umbauten, besser gesagt Verunstaltungen, über sich ergehen lassen müssen. Nun, anlässlich des Umbaus, förderte man Schicht um Schicht die verbauten und unter Teppichen, Rigipswänden und Estrich verschütteten Feinheiten des 50er-Jahre-Baus wieder zutage: Solnhofener Platten im Polygonalschnitt als Fußboden, gelbe Klinkerriemchen an den Wänden und eisblaue Bisazza-Mosaiksteine am ehemaligen Kinoportal.

Drei beteiligten Planern fiel die verantwortungsvolle Aufgabe zu, das Haus für die neue Nutzung zu ertüchtigen: Dem Büro B19 Holger Sack, mvprojekte MeyerVoggenreiter mit Wolfgang Zeh und den Architekten Petra und Paul Kahlfeldt. Das Ziel war, die ursprüngliche Eleganz und Fragilität sowohl im Bau- als auch im Raumgefüge des Hauses wieder herauszuschälen und mit einer neuen Museumsnutzung zu präsentieren. Die filigrane Fensterwand der Vorderfront wurde über die gesamte Breite erhalten, was dem Gebäude Leichtigkeit verleiht. Der deutlich aus der Vorderfront hervortretende Flaggenkubus erhielt wieder in Originallettern die Aufschrift „Amerikahaus“; lediglich auf dem Dach weist ein „c/o“ auf die neuen Mieter hin.

Der vordere Teil des Erdgeschosses ist zur Hälfte ein langgestrecktes Café, die andere Hälfte dient als Foyer, Buchladen und dem Ticketverkauf; im hinteren Teil beginnen die Ausstellungsräume. Über die großzügige Treppe gelangt man zu den oberen Galerieräumen; hier wurde der Grundriss kaum geändert. Es ist ein fliessendes elegantes Raumgefüge geblieben, was dem Flanieren durch die Ausstellungen sehr entgegenkommt.

www.kahlfeldt-architekten.de
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Kahlfeldt Architekten
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David von Becker
www.davidvonbecker.com