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Großzügig auf kleinem Raum

Der Umbau eines Siedlungshauses schöpft aus dem Potenzial des Bestands

Gewachsene Wohngebiete haben viele Pluspunkte – sei es wegen der noch relativ großzügigen... mehr

Gewachsene Wohngebiete haben viele Pluspunkte – sei es wegen der noch relativ großzügigen Grundstücksverhältnisse oder der oft zentraleren Anbindung. Aber wie geht man mit dem vorhandenen, sanierungsbedürftigen, womöglich auch in den Nutzflächen problematischen Gebäudebestand um? Die Abrissbirne ist nur eine Antwort darauf – dass es auch eine andere, nachhaltig ressourcenschonendere gibt, führt das Haus M vor, dem sich die Architekten von Studio Meuleneers aus Krefeld annahmen. Das in seiner Gestaltung ebenso wie auch in seiner Ausführung sehr einfach gehaltene Siedlungshaus, Baujahr 1971, sollte eine zeitgemäße Sanierung erhalten. Angespornt wurden sie durch die Idee, das Potenzial des Hauses so zu nutzen, dass die vierköpfige Bauherrenfamilie optimale Raumbedingungen vorfindet und die Innenräume dabei großzügig und modern wirken. Auf Standardlösungen sollte dabei bewusst verzichtet werden, obwohl die faktische Umbauzeit lediglich fünf Monate betragen durfte. Was an Abriss- und Neubaukosten gespart wurde, sollte zudem in ausgesuchten Bereichen in eine hochwertige Material- und Produktausstattung investiert werden. Dazu mussten zunächst einmal die Grundrisse entkernt und neu geordnet werden. Die kleinteilige Raumstruktur im EG wurde zugunsten eines offeneren Grundrisses aufgegeben: Um die kleine Küche und das Wohnzimmer zu einem Wohn-Essraum zu verbinden, musste eine tragende Wand durch eine Trägerkonstruktion ersetzt werden. Strukturiert wird der neu gewonnene, offene Raum durch eine zentrale statisch tragende Hauptwand – sie trennt den Eingangs- vom Wohnbereich und erlaubt als wegeführendes Element, dass alle Bereiche im logischen Ablauf des Alltag erreicht werden. Das EG kommt so – mit Ausnahme beim neu eingerichteten Gästebad – völlig ohne Türen aus.

Im OG wurde das Schlafzimmer der Eltern sowie die beiden Kinderzimmer um einen zentralen, von der Treppe aus erreichbaren Korridor gelegt, an dem auch das zentrale Familienbad liegt. Obwohl in der Fläche begrenzt, konnte das Bad so optimiert werden, dass selbst der Wunsch der Bauherren nach einem kleinen „Familien-Spa“ berücksichtigt werden konnte: So kommt die bodengleiche Dusche durch eine geschickte Anordnung im Raum ohne Tür aus. Die Badewanne lässt sich zugleich durch eine Ablage in eine Liegefläche verwandeln, kann aber auch als Sitzfläche im Bereich der Dusche für eine Fuss- und Beindusche verwendet werden. Als Fliesenmaterial wurde Steingut verwendet. Maßgeschneiderte Möbeleinbauten komplettieren das Bild minimalistisch.

Insbesondere im großzügigen EG ergibt sich ein moderner Raumeindruck, der auch durch die Materialsprache erzeugt wird. Der raue, belassen und doch geschliffen wirkende Boden beruht auf einer individuellen Spachtelung mit Lasur. Alle Wände und Decken wurden glatt verputzt und weiß gestrichen. Den zentral angeordneten Speicherkamin akzentuiert eine Kaminbank aus geschliffenem Travertin-Naturstein. Der Höhenunterschied zwischen dem Fertigfußboden im EG und dem Gartenniveau wird durch einen Austritt überwunden, der aus roh belassenen Lärchenhölzern gefertigt wurde. Erst mit den Jahren erhält das Holz eine feine graue Patina. In der gesamten Fassadenlänge kann der Austritt zugleich als Bank oder auch Liegefläche genutzt werden.

Die Außenfassade wurde komplett neu gestaltet: Zur Straße ist sie nun stärker geschlossen als vorher, zum Garten wurde sie dagegen geöffnet. In ihren Proportionen mutet sie damit deutlich moderner an. Das bestehende einschalige Mauerwerk wurde mit einer Außendämmung versehen, die Fenster komplett durch eine Dreifachverglasung ersetzt. Beheizt wird das Haus über den mehrschichtig aufgebauten Speicherkamin im EG, dessen Abluftöffnungen sich im Wohnzimmer und im Flur befinden. Weil er in die zentrale Hauptwand integriert werden konnte, verteilt sich die Wärme gleichmäßig in allen Räumen im EG, durch das offene Treppenhaus aber auch reduzierter im OG. Die eingebauten, von einem Ölbrenner versorgten Heizkörper werden daher nur sehr selten benötigt – auch energetisch hat sich der Umbau deutlich bewährt.

www.studiomeuleneers.de

Architektur/Innenarchitektur: Studio Meuleneers www.studiomeuleneers.de Armaturen: Aloys... mehr

Architektur/Innenarchitektur:

Studio Meuleneers
www.studiomeuleneers.de

Armaturen:

Aloys F. Dornbracht
Armaturenfabrik
www.dornbracht.com

Waschtische:

Alape
www.alape.com

Fliesen:

Casadolcecasa
über Mobau-Wirtz-Classen
www.mobau-wirtz-classen.de

Fotos:

Studio Meuleneers
www.studiomeuleneers.de